Ein Bericht des Kölner Stadt-Anzeigers vom 28.02.2014

 

Machtübergabe in Mechernich

 

Jecke fordern Dach über dem Zugweg

 

Sturm auf das Rathaus 2014 

Nach etlichen Schüssen aus der Donnerbüchse hatte Bürgermeister Hans-Peter Schick ein Einsehen und ergab sich der feiernden Narrenschar vor dem Rathaus.  Foto: Bernhard Romanowski

 

Nach kurzer Schießerei hat das Mechernicher Stadtoberhaupt Hans-Peter Schick im Kampf um das Rathaus den Kürzeren gezogen und seinen Amtssitz den Jecken überlassen. Im Siegestaumel stellten die Narren auch sogleich Forderungen.  

 

Von Bernhard Romanowski

 

Mechernich.  Martina de Vries und Helga Müller kamen am Weiberdonnerstag nicht ganz auf ihre Kosten. Die beiden Vorzimmerdamen von Dr. Hans-Peter Schick hätten ihrem Chef am Weibertag nur allzu gern den Schlips gekappt. Doch durch einen ganz simplen Trick konnte sich der Bürgermeister dieser aus seiner Sicht anscheinend ehrabschneidenden Maßnahme entziehen: Er hatte einfach keinen angezogen.

 

Doch der Beschneidung seiner Macht konnte Schick sich erneut nicht erwehren. So erlebte der Napoleon vom Bleiberg wieder sein persönliches Waterloo. Denn im Auftrag des amtierenden Dreigestirns hatte die Prinzengarde um ihren Chef Heinz „Adi“ Sechtem im Schulterschluss mit dem Festausschuss Mechernicher Karneval, dem KC Bleifööss, den Club der ehemaligen Prinzen und dem Stadttambourcorps „Freundschaftsklänge“ zum Sturm auf das Rathaus geblasen. Sie waren mit einer großen Kanone vor dem Verwaltungsgebäude angerückt.

 

Narren stürmen Mechernicher Rathaus

 

Als der erste Schuss aus den Reihen der rebellischen Narrenschar gefallen war, donnerte auch schon eine Antwort vom Balkon des Beamtenbunkers. Schick hatte sich tatkräftige Unterstützung herbeigerufen. Ernst Pingen und Werner Erken von den Schützen aus Kommern hatten wieder ihre Böllerbüchsen mitgebracht, und mit 2,8 Gramm Schwarzpulver pro Schuss konnte der Bürgermeister es mächtig krachen lassen.

 

Ohrenschützer leisteten ihm dabei gute Dienste, seine ihn flankierenden Mitarbeiter hingegen bekamen die volle Dröhnung ab. Doch es half mal wieder alles nichts, nach etlichen Schüssen schwenkte Schick die weiße Fahne. Er wurde von den Köchen der Prinzengarde, Volker Nüßmann und Karl Theißen, vom Balkon herabgeführt und zur Bühne gebracht. Dort verkündete ihm das Dreigestirn, was die Stunde geschlagen hatte. Erst ab Aschermittwoch hat Schick wieder das Sagen hat.

 

Sturm auf das Rathaus 2014Jecke jeden Alters hatten am Donnerstag ihren Spaß in Mechernich. 

 

Zu den Forderungen der Jecken gehörte unter anderem, dass Schick für den Karnevalszug am Tulpensonntag für gutes Wetter zu sorgen habe.

Falls das nicht gelänge, solle er den Zugweg überdachen lassen. Auch forderten die siegreichen Narren, die alte Barbaraschule zum Kulturzentrum zu machen – und zwar unter der Bauaufsicht von Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst.